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Brüder auf einem Rahmen: LC250, GX550 und 4Runner im Vergleich

Brüder auf einem Rahmen: LC250, GX550 und 4Runner im Vergleich-Bison Gear

Paweł Zieja |

Brüder auf einem Rahmen: LC250, GX550 und 4Runner auf der TNGA-F im Vergleich

Eine Plattform, drei Auffassungen von Abenteuer – 4Runner, Land Cruiser 250 und Lexus GX550

In den letzten Jahren hat Toyota seine Offroad-Palette spektakulär erneuert und drei eng verwandte Modelle auf den Markt gebracht: den Toyota 4Runner der 6. Generation, den Toyota Land Cruiser 250 (Prado J250) und den Lexus GX550. Jedes von ihnen richtet sich an ein etwas anderes Publikum, doch alle teilen dieselbe DNA – die moderne TNGA-F-Plattform, auf der Toyotas neueste Generation von Geländewagen aufbaut. Die drei SUVs sind unterschiedliche Interpretationen einer einzigen Idee: bewährte mechanische Robustheit, ernsthafte Geländetauglichkeit und eine ab Werk angelegte Abenteuertauglichkeit. Wir schauen uns genauer an, was sie unterscheidet, was sie verbindet – und welches von ihnen als Expeditionsfahrzeug am meisten Sinn ergibt. Deshalb konzentrieren wir uns auf die stärker aufs Gelände ausgerichteten Ausstattungslinien.

Design

Obwohl alle drei auf derselben TNGA-F-Architektur stehen, unterscheiden sie sich nicht nur im Charakter, sondern auch im Aussehen. GX550 und LC250 erkennst du vor allem an der Front – der Lexus setzt auf einen mächtigen, markentypischen Kühlergrill und futuristischere Scheinwerfer, der Land Cruiser auf ein schlichteres, zweckmäßigeres Design. In der First Edition gab es den LC250 wahlweise mit klassischen Rundscheinwerfern (mit etwas schwächerer Lichtleistung) oder mit rechteckigen Bi-LED-Einheiten. Am Heck liegen die Unterschiede überwiegend im Detail – der GX550 trägt ein elegantes Leuchtband, das die Rückleuchten verbindet, während der LC250 geradlinig und ohne Schnörkel auftritt.

Der neue 4Runner der 6. Generation ist eine klare Hommage an seine Vorgänger – seine Linienführung greift Elemente früherer Generationen auf, was Fans der klassischen Silhouette sicher zu schätzen wissen. Die Front übernimmt zudem Anleihen vom Toyota Tacoma, was seinen praktischen, abenteuertauglichen Charakter unterstreicht und ihn vom luxuriöseren Lexus und vom konservativeren Land Cruiser abhebt.

Eine der wichtigsten Änderungen gegenüber den früheren Generationen von GX und Land Cruiser Prado betrifft das Heck – die traditionelle, seitlich angeschlagene Hecktür ist verschwunden und wurde durch eine nach oben öffnende Heckklappe ersetzt. Das hat Vorteile (leichterer Zugang, wenn seitlich wenig Platz ist) und Nachteile (unpraktischer zu öffnen, wenn du Ausrüstung auf dem Dach transportierst). Der 4Runner nutzt diese Lösung dagegen schon seit Jahren.

Alle drei Modelle haben außerdem eine separat zu öffnende Heckscheibe. Bei GX und Land Cruiser wird die Scheibe von Hand nach oben geklappt, während der 4Runner mit einer elektrisch versenkbaren Scheibe hervorsticht – ein Detail, das besonders Hundebesitzer schätzen und alle, die lange Gegenstände transportieren, ohne die ganze Heckklappe öffnen zu müssen.

Außenmaße

Modell

 

Länge

Breite

Höhe

Radstand

GX550

 

ca. 500 cm

200 cm

193 cm

285 cm

LC250

 

ca. 492 cm

198 cm

198 cm

285 cm

4Runner 6. Gen

ca. 483 cm

193 cm

185 cm

279 cm

 

Die Maße können je nach Ausstattungslinie leicht abweichen.

Innenraum

Jedes der drei Modelle – GX550, LC250 und 4Runner – geht bei der Gestaltung des Innenraums einen eigenen Weg, passend zu seiner Zielgruppe.

Der Lexus GX550 bietet den luxuriösesten Innenraum des Trios. Dich erwarten hochwertige Materialien (Leder, Metallakzente, weich unterschäumte Kunststoffe), ein großes, hochauflösendes Display, digitale Instrumente und ein Soundsystem der Premiumklasse.

Der Toyota Land Cruiser 250 ist der zweckmäßigste – der Innenraum ist funktional und solide, mit vielen physischen Tasten, die Schmutz und harten Einsatz aushalten sollen. Ein zentraler 12-Zoll-Bildschirm und digitale Instrumente sind an Bord, doch alles ist auf die Bedienbarkeit unter harten Bedingungen ausgelegt.

Der Toyota 4Runner der 6. Generation liegt zwischen den beiden – sein Design ist modern und stärker auf Lifestyle ausgerichtet, bleibt aber praxisorientiert. Langlebige Materialien, ein 14-Zoll-Display und durchdachte Details wie Haltegriffe, Steckdosen und kratzfeste Oberflächen gehören zum Paket. Optional gibt es sogar vorverkabelte Schalter für zusätzliches elektrisches Zubehör wie Scheinwerfer. Der Innenraum ist spürbar niedriger als bei den beiden anderen, was für größere Mitfahrer zum Problem werden kann. In den Hybridversionen von 4Runner und LC liegt der Boden rund 12 cm höher, was den nutzbaren Raum etwas schmälert. Trotzdem ist der Laderaum bei allen drei Modellen größer als in der Vorgängergeneration.

Kurz gesagt – der GX550 steht für Komfort und Eleganz, der LC250 setzt auf Robustheit und Schlichtheit, und der 4Runner verbindet Vielseitigkeit mit einem modernen, abenteuerlustigen Auftritt.

Motoren

Zur Wahl stehen vier Motoren: ein 2,4-Liter, ein 2,4-Liter-Hybrid, ein 2,8-Liter-Diesel und ein 3,5-Liter-V6, der dem Lexus vorbehalten ist.

Wenig überraschend ist nach den Probefahrten der 3,5-Liter-V6 die angenehmste und spritzigste Wahl. Der Wagen beschleunigt zügig, läuft ruhig und vibrationsfrei und gleitet in Verbindung mit der 10-Gang-Automatik förmlich über die Straße. Die Kehrseite ist der Verbrauch – der Hersteller gibt 12,3 l/100 km an, in der Praxis sind es eher 14 l/100 km.

Der 2,4-Liter-Hybrid, den es sowohl im LC250 (US) als auch im 4Runner gibt, kommt bei den Fahrleistungen nah an den Lexus heran und verbraucht mit rund 12 l/100 km weniger.

Der normale 2,4-Liter, angeboten im 4Runner und im LC250 (GCC), liefert trotz schwächerer Daten ausreichend Leistung, ist aber keine Rakete. Das geringere maximale Drehmoment ist im Vergleich zu den anderen Motoren spürbar.

Der 2,8-Liter-Diesel, ein bewährtes Aggregat aus den Vorgängergenerationen, das nun mit einem neuen Getriebe kombiniert wird, bietet ebenfalls ordentliche Fahrleistungen, die Laufkultur ist allerdings deutlich schlechter. Toyota nennt 10,3 l/100 km, nach unserer Erfahrung sind es eher 12 l/100 km (was möglicherweise am Fahrstil liegt).

Zum Vergleich: Der bekannte 4,0-Liter-V6 aus dem bisherigen Land Cruiser 150 und 4Runner leistete 270 PS und 378 Nm bei 4400 U/min, während der 2,4-Liter-Turbo sein maximales Drehmoment schon bei 1700 U/min erreicht – und diesen Unterschied spürst du am Steuer sehr deutlich.

 

Modell

Motor

Leistung

Drehmoment

Getriebe

Antrieb

GX550 Overtrail

3.4 V6 Twin Turbo

349 PS

649 Nm

10-Gang-Automatik

4x4 mit Verteilergetriebe und Geländeuntersetzung

 

LC250 Hybrid

2.4 I4 Turbo Hybrid

326 PS

630 Nm

8-Gang-Automatik

4x4 mit Verteilergetriebe und Geländeuntersetzung

 

LC250 Diesel

2.8 I4 Turbo Diesel

ca. 204 PS

500 Nm

8-Gang-Automatik

4x4 mit Verteilergetriebe und Geländeuntersetzung

 

4Runner 2.4 Turbo

2.4 I4 Turbo

278 PS

430 Nm

8-Gang-Automatik

4x4 mit Verteilergetriebe und Geländeuntersetzung

 

4Runner TRD Pro

2.4 I4 Turbo Hybrid (iForce MAX)

326 PS

630 Nm

8-Gang-Automatik

4x4 mit Verteilergetriebe und Geländeuntersetzung

 

4Runner Trailhunter

2.4 I4 Turbo Hybrid (iForce MAX)

326 PS

630 Nm

8-Gang-Automatik

4x4 mit Verteilergetriebe und Geländeuntersetzung

 

Antriebsstrang

Zuschaltbarer oder permanenter Allradantrieb

Land Cruiser und GX550 bieten dank ihres Mittendifferenzials permanenten Allradantrieb – eine komfortable und sichere Lösung auf jedem Untergrund. Beim 4Runner ist dieses System den stärker auf die Straße ausgerichteten Ausstattungslinien Limited und Platinum vorbehalten. Die übrigen Varianten, darunter die Offroad-Versionen TRD Pro und Trailhunter, haben einen zuschaltbaren Allradantrieb, das heißt, die Vorderachse muss manuell zugeschaltet werden. Der Allradantrieb sollte deshalb nur auf losem Untergrund wie Schlamm, Schnee oder Schotter genutzt werden. Mit zugeschaltetem Allrad auf trockenem Asphalt zu fahren ist nicht zu empfehlen und kann den Antriebsstrang beschädigen. In der Praxis verlangt das mehr Aufmerksamkeit vom Fahrer, vor allem wenn sich die Straßenverhältnisse schnell ändern, etwa im Winter.

Hinterachsdifferenzial

Der Toyota 4Runner der 6. Generation und der Lexus GX550 haben ein größeres Differenzial mit 9,5-Zoll-Tellerrad bekommen. Aus unbekannten Gründen nutzt der LC250 die kleinere 8,5-Zoll-Einheit, die vom bisherigen Prado übernommen wurde. Natürlich ist das eine bewährte Lösung aus LC150 und FJ Cruiser, und für die meisten Besitzer, die mit Serienreifen oder nur etwas größeren Reifen fahren, macht es kaum einen Unterschied.

Gleichlaufgelenke

Der Land Cruiser 250 behält an den vorderen Antriebswellen Tripodegelenke, genau wie die Vorgängergeneration. 4Runner und Lexus GX550 haben dagegen Double-Offset-Gelenke, die nicht nur größere Beugewinkel erlauben, sondern auch stabiler sind.

Offroad-Ausstattung

●       GX550 Overtrail: permanenter Allradantrieb, Differenzialsperre hinten und in der Mitte, e-KDSS (elektronische Stabilisator-Entkopplung), Luftfederung, 33-Zoll-A/T-Reifen, Offroad-Kameras, Crawl Control, Multi-Terrain Select.

●       LC250: permanenter Allradantrieb, Differenzialsperre hinten, Crawl Control, Multi-Terrain Select, Offroad-Kameras, entkoppelbarer Stabilisator vorn.

●       4Runner Trailhunter: zuschaltbarer Allradantrieb, Offroad-Fahrwerk ARB Old Man Emu, 33-Zoll-A/T-Reifen, Unterfahrschutzplatten aus Stahl, Schnorchel, Differenzialsperre hinten, Multi-Terrain Monitor, entkoppelbarer Stabilisator vorn.

●       4Runner TRD Pro: zuschaltbarer Allradantrieb, FOX-Fahrwerk mit externen Ausgleichsbehältern, 33-Zoll-A/T-Reifen, Unterfahrschutzplatten aus Stahl, Differenzialsperre hinten, Multi-Terrain Select, Offroad-Kameras, entkoppelbarer Stabilisator vorn.

Ein weiterer wichtiger Unterschied liegt im Stabilisatorsystem. Bei 4Runner und LC250 lässt sich nur der vordere Stabilisator entkoppeln, was die Verschränkung der Vorderachse vergrößert. Der Lexus GX550 nutzt dagegen e-KDSS, das den vorderen und den hinteren Stabilisator automatisch entkoppelt – das Ergebnis ist ein deutlich größerer Federweg (bessere Verschränkung) und zugleich mehr Stabilität in Kurven auf der Straße.

Bodenfreiheit und Winkel

Modell

Böschungswinkel vorn

Böschungswinkel hinten

Rampenwinkel

Bodenfreiheit

 

GX550 Overtrail

26°

24°

23°

ca. 220–240 mm (verstellbar)

LC250

31°

22°

25°

ca. 220 mm

4Runner Trailhunter

32°

24°

24°

ca. 220 mm

Die meisten Werte liegen recht nah beieinander, mit Ausnahme des vorderen Böschungswinkels des GX, bei dem die Front mit dem „großen Kiefer“ klar von Nachteil ist.

Fazit: Welches Modell passt zu wem?

GX550 Overtrail: Die richtige Wahl für alle, die hohen Fahrkomfort mit echter Geländetauglichkeit verbinden wollen. Mit seiner reichhaltigen Ausstattung, den aufwendigen Fahrwerkssystemen und dem luxuriösen Innenraum ist der GX ideal für lange Expeditionen ohne Kompromisse. Er ist der teuerste der drei, bietet aber auch das höchste Niveau an Komfort und Technik.

LC250 (Hybrid oder Diesel): Eine ideale Option für alle, die Schlichtheit, Robustheit und bewährte Lösungen schätzen. Der Diesel eignet sich besser für abgelegene Regionen, in denen hochoktaniger Kraftstoff schwer zu bekommen sein kann, der Hybrid bietet dafür bessere Fahrleistungen und mehr Laufruhe. Der LC250 ist eine solide Basis für Abenteuer und liegt preislich genau in der Mitte des Trios.

4Runner: Ein Modell für Fans von klassischem Design und Offroad-Umbauten. In Werksversionen wie Trailhunter und TRD Pro bringt er bereits jede Menge Offroad-Ausrüstung mit, und dank des riesigen Zubehörangebots lässt er sich leicht an individuelle Bedürfnisse anpassen. Er ist außerdem die günstigste Option der drei und bietet pro Dollar die meiste Geländetauglichkeit.

Verfügbarkeit

Im offiziellen europäischen Programm wird nur der Land Cruiser 250 mit dem 2.8 Diesel angeboten. Das heißt nicht, dass die anderen Modelle unerreichbar sind – ein Einzelimport ist möglich.

Beim Lexus GX550 sieht es dagegen anders aus – wegen des hohen Grundpreises wird sein Endpreis nach dem Import mit Abstand der höchste der drei sein

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